Rosner/Metz gewinnen Schach-Tischtennis-Turnier

Rosner/Metz gewinnen Schach-Tischtennis-Turnier

von Hartmut Metz
 
16.08.2019 – Schach ist bekanntermaßen ohnehin Sport, aber man kann es auch mit verschiedenen Bewegungssportarten kombinieren, zum Beispiel Tischtennis. In Hofheim wurde ein Schach-Tischtennis-Turnier ausgetragen. Eine WM soll es auch bald geben. | Fotos: Hartmut Metz

Erfolgreicher Test für das 100-jährige Jubiläum:
Rosner/Metz gewinnen Schach-Tischtennis-Turnier / Im nächsten Jahr mit Peter Leko?

Der Test gelang – alle Teilnehmer waren hellauf begeistert. Deshalb will der Schachverein 1920 Hofheim zu seinem 100-jährigen Bestehen erneut ein Schach-Tischtennis-Turnier anbieten. „Ich fand das Turnier toll und hat uns als Organisatoren wie Euch offensichtlich viel Spaß gemacht“, konstatierte Anna-Luise Heymann bei der Siegerehrung und nahm Anregungen für die Jubiläumsveranstaltung 2020 auf. Der rührige Zweitligist aus dem Hessischen hofft dann auf bis zu 48 teilnehmende Zweierteams. „In der größeren Halle können wir 24 Platten stellen“, sagte Heymann und freute sich, dass bei der Premiere gleich 18 Doppel-Paare an die Tische gingen.

Die starken Schachspieler mit Hang zum Tischtennis waren dabei in der Überzahl. Mitausrichter TuS Kriftel sorgte jedoch für hohes Niveau in der schnellen Rückschlagsportart. Mehrere Tischtennisspieler hatten bis zu knapp 1800 Tischtennis-Rating (TTR). Das ist sehr hoch, weil das vor wenigen Jahren von der Elo-Zahl adaptierte Wertungssystem die guten Leute deutlich tiefer ansiedelt als im Schach. Mit rund 1500 TTR gehört man bundesweit zu den besten zehn Prozent unter den rund 600000 Mitgliedern des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). Die 1800 TTR dürften daher im Schach etwa 2200 bis 2300 Elo entsprechen. Weil mancher nicht so ganz mit der Schachuhr und den Regularien vertraut war, hatte Heymann appelliert: „Wir sind fair und lassen auch Tischtennisspieler, die noch kein Turnierschach spielten, auch mal einen Zug zurücknehmen.“

Im Schach-Doppel besser keine Bauern ziehen

Der Auftakt war jedoch auch bereits für die „Schach-Profis“ durchaus anspruchsvoll. Im Schach-Doppel mussten die beiden Spieler in einer Zehn-Minuten-Partie abwechselnd ziehen. Welche Tücken das bei stark unterschiedlichem Können aufwerfen kann, bemerkte Arno Zude rasch. Er legte zusammen mit Abwehr-Ass Norbert Wrabetz mit 1.e4 los, der Gegner ließ e5 folgen – wonach der Tischtennisspieler 2.f3 zog. „Abwechselnd zu ziehen, ist so eine Sache“, bemerkte der Internationale Meister (IM) danach, „ich sagte Norbert, er solle keine Bauern ziehen, wenn er nicht weiß, was er tun soll. Zudem überlegte ich mir schon, was ich selbst spiele und mein Mitspieler danach versteht.“

Dass die Kräfteverteilung im späteren Tischtennis genau umgekehrt waren und sich Wrabetz Strategien ausdenken musste zur Optimierung des Resultats, wusste der Hofheimer Vereinspräsident selbst: „Im Tischtennis-Doppel habe ich ihn runtergerissen!“ Nachdem Zude „40 Jahre nicht mehr gespielt hat“, merkte er rasch, „es ist Zufall, ob ich einen guten Aufschlag eines Vereinsspielers überhaupt auf die Platte zurückbringe.“ Da es zwar möglich sei, mal ein, zwei Punkte zu holen, aber kaum elf in einem Satz, wertete es der 55-Jährige als „meine beste Leistung, dass ich den ersten Satz im Tischtennis-Wettbewerb gewinnen konnte – aber das war’s dann auch …“

Aber selbst die „haushohen Favoriten“, wie Heymann die extra aus dem Badischen angereisten Jonas Rosner und Hartmut Metz titulierte, hatten ihre liebe Müh mit dem Schach-Doppel. Trotz des Elo-Schnitts von 2330 und eines teilweise ähnlichen Eröffnungsrepertoires ahnten der IM und der FM manchmal nicht, was der andere so plante und spielten „einigen Käse zusammen“. Nur weil es den Kontrahenten auch nicht besser erging, gewannen sie den Auftakt-Wettbewerb mit 4,5/5. Das sogar aus Berlin herbeieilende Bruder-Paar Matthias und Johannes Kribben nahmen Rosner/Metz das einzige Remis ab und belegten so Rang zwei vor Florian Lesny/Klaus-Jürgen Lutz. Ihnen wurden 20, 18 beziehungsweise 16 Punkte etc. in der ersten der vier Wertungen gutgeschrieben für den Gesamtscore.

Im zweiten Durchgang traten alle 36 Teilnehmer solo in einem fünfrundigen Turnier nach Schweizer System an: Die als „Schachspieler“ im Team gemeldeten Akteure gingen dreimal ans Brett und zweimal an die Platte. Umgekehrt war es bei den Tischtennisspielern. Damit die Besten rasch in ihrer Kerndisziplin aufeinander trafen, wandten die Hofheimer ein beschleunigtes Auslosungssystem an. So gab es rasch mehrere Topduelle an der Platte wie das der beiden Krifteler Wrabetz gegen Kristian Bandlow.

Auch wenn es Ginsburg wie Matthias Kribben „riesigen Spaß machte und eine tolle Veranstaltung war“, will Anna-Luise Heymann den Modus in dieser Einzel-Sparte etwas ändern. Der Vorschlag, dass man bei dem fünfrundigen System gegen die Gegner Schach und Tischtennis spielt, dürfte das „Auslosungspech“ minimieren – bei etwas Glück hatte man den starken Tischtennisspieler im Schach bzw. den starken Schachspieler im Tischtennis in den zwei Runden.

Zudem dürften 2020 fünf statt nur drei Runden Tischtennis-Doppel ausgetragen werden, um eine aussagekräftigere Tabelle zu erhalten. Jonas Karch (1776 TTR) führte Timo Fucik (2010 Elo) zum Sieg vor Mattis Schubert (1415 TTR/Chris Körner (1451 DWZ). Rosner/Metz kamen auf Platz drei vor den Organisatoren Klaus Grabinger (1274 TTR) und Anna-Luise Heymann, die es im Schach auf ein Rating von 1867 bringt.

In der Gesamtwertung hatten Rosner und Metz, die in allen vier Disziplinen stets einen der ersten drei Plätze belegten, deutlich die Nase vorne. Der Ettlinger und der Kuppenheimer holten 70 der maximal 80 möglichen Punkte. Mit 55 Zählern überflügelten Karch/Fucik dank des Tischtennis-Doppels noch Ginsburg/Ginsburg (51) und Kribben/Kribben (45), die dabei auf den hinteren Rängen landeten.
Tischtennisspieler Kristian Bandlow wunderte sich über „das Raunen“, als bei der Siegerehrung der Name Peter Leko fiel. Schnell war er aufgeklärt. Die Hofheimer wollen die Kontakte von Metz nutzen, der bei großen Turnieren in Baden-Baden oder Karlsruhe schon öfter mit Leko bei seinem TTC Muggensturm an die Platte ging. Der Ungar ist ebenso ein begeisterter Tischtennisspieler. Als TTC-Präsident entwickelte Metz mit Leko und dem deutschen Großmeister Daniel Fridman Pläne für eine „Schach-Tischtennis-WM“ in Muggensturm. Die Hofheimer waren mit ihrem Turnier schneller – und Anna-Luise Heymann will nun Leko nicht nur nächstes Jahr beim Schach-Tischtennis dabei haben, sondern den ehemaligen Vizeweltmeister für ein Simultan während des Jubiläums verpflichten.

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